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Digitalisierung – Bewegung in der Automobilindustrie?

Keine Woche vergeht in der nicht über die Automobilpläne der großen, in der Digitalisierung führenden Internetkonzerne berichtet wird. Google führt bereits sein autonomes Fahrzeug das Google „Self-Driving Car“ vor und Branchenkenner berichten vom Abwerben von Mitarbeitern aus der Automobilindustrie durch Apple. Apple scheint dabei aber nicht nur am Auto als solches, sondern der Mobilitätsbranche insgesamt interessiert zu sein. So bestätigten sie vergangene Woche das Investment von ca. 1 Milliarde US-Dollar in das Chinesische Uber-Pendant Didi Chuxing. Das Interesse der verschiedenen Konzerne die weitere Digitalisierung des Straßenverkehrs mitzubestimmen scheint immens.

Dem frühen Stadium entwachsen und mittlerweile eine ernsthafte Konkurrenz, insbesondere zu den deutschen Premiumherstellern, ist mit Tesla ein weiteres Unternehmen aus dem US-Amerikanischen Westen. Das angekündigte Model 3, für den breiten Markt konzipiert, schaffte es innerhalb einer Woche nach der Vorstellung auf 325.000 Vorbestellungen und die Kunden standen Schlange um ihre Vorbestellung abzugeben, was man sonst nur von den neuen Apple-Produkten kennt. Die 1.000 $ Anzahlung für die Vorbestellung können Kunden zwar zurückfordern, die ersten Zahlen übertreffen aber selbst die sonst sehr optimistischen und von vielen als unmöglich eingeschätzten Erwartungen des Firmenchefs Elon Musk.

Lange Zeit hielten sich die deutschen Autobauer zu etwaigen Themen zurück, verwiesen gelegentlich auf die Notwendigkeit anderer Kompetenzen und zum Beispiel Daimler-Chef Zetsche sagte er würde nicht weniger ruhig schlafen, da auch Apple Manger ja nicht unruhig schlafen würden aufgrund der Wahrscheinlichkeit eines Daimler- Smartphones. Mit der Zeit schienen sich diese Einschätzungen jedoch zu wandeln.

Geht nun auch die deutsche Autoindustrie die Digitalisierung aktiv an?

Viele Manager weisen mittlerweile öffentlichkeitswirksam auf die Wichtigkeit der Digitalisierung hin. Audi, BMW und Daimler haben zusammen den Kartendienst Here vom finnischen Nokia-Konzern gekauft, um zu verhindern das diese Schlüsseltechnologie für Navigation, Assistenzsysteme und autonomes Fahren in die Hand von Google oder einem anderen in der Digitalisierung führenden Internetkonzern gerät. Das Selbstverständnis in der Branche scheint sich zu wandeln. Alte Wettbewerbslogik wird durch die Digitalisierung auf den Kopf gestellt.

Letzte Woche dann die Ankündigung von Mercedes, dass ein neuer Bürokomplex mit 4000 Arbeitsplätzen geplant ist. Dieser Komplex solle einen Campus-Charakter wie im Silicon Valley haben und vernetztes, digitales Arbeiten fördern. Das neue Bürozentrum, die Fertigstellung ist für 2019 geplant, soll in Vaihingen und somit außerhalb des Fabrikgeländes am Untertürkheimer Standort errichtet werden. Hierhin hatte der heutige Konzernchef Zetsche einst die Zentrale verlegt und dort arbeitet der Vorstand heute nahe bei Montagehallen und Kantinen umgeben von dichtem Werksverkehr. Ein Wechsel somit vom Ingenieurstandort zum Campus für die digitale Zukunft?

Ein aktueller Beitrag von Zetsche im sozialen Karrierenetzwerk Xing liefert weitere Hinweise für einen geplanten Kulturwandel. Unter dem Titel „Bremst Erfolg den Erfolg?“ fordert Zetsche zum Umdenken, insbesondere in Zeiten des Erfolges auf. „Never change a runnig System“ dürfe insbesondere für erfolgreiche Unternehmen nicht gelten, wollen sie nicht Gefahr laufen die digitale Revolution zu verschlafen, so Zetsche. Er fordert, dass Risiken nicht nur da sind um minimiert zu werden, sondern Mut erforderlich sei um die digitale Revolution mitzugestalten. Dies sei möglich wenn der Start-up Spirit wieder überall zu spüren sei. Daimler habe laut Zetsche daher Strukturen geschaffen, wie sie Daimler und Benz vor 130 Jahren hatten: klassische Garagenfirmen.

Die Große Aufgabe sei nun diese erfolgreichen Strukturen aus kleinen Bereichen der Firma auf den gesamten Konzern anzuwenden. Dazu will Daimler Basisdemokratie wagen und ein Team von 150 Mitarbeitern aus 24 Ländern und verschiedensten Bereichen soll unter dem Titel Leadership 2020 die Führungsvision für die digitale Zukunft definieren.

Abschließend bezeichnet Zetsche die Digitalisierung als die Größte Bereicherung für Daimler seit der Erfindung des Automobils. Ob der Konzern und auch die anderen deutschen Automobiler diese Chance nutzen können oder die Chance doch die Bedrohung bleibt, die viele in ihr sehen, wird die Zukunft zeigen. Eins bleibt jedoch sicher: Die Digitalisierung wird voranschreiten und früher oder später auch diese Industrie in ihren Grundfesten verändern. Die deutschen Automobilhersteller haben dabei sicherlich eine sehr gute Ausgangsposition, um führend im Wandel durch die Digitalisierung zu sein.