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Digitalisierung im Fußball

Manchester United, einer der renommiertesten, wertvollsten und zweifelsohne erfolgreichsten Klubs der Welt. Zwanzigfacher englischer Meister, elfmaliger englischer Pokalsieger und zwei Mal Gewinner der UEFA Champions-League, nur um die wichtigsten Titel zu nennen. Die Experten von Transfermarkt.de beziffern alleine den aktuellen Gesamtmarktwert des 27-Mann Kaders auf 411,25 Mio €.

Bei der Kommerzialisierung des Fußballs waren die Red Devils aus Manchester eine der Mannschaften, die frühzeitig die sich daraus ergebenden Chancen begriffen. Als einer der ersten Klubs veranstaltete United Trainingslager in strategisch wichtigen Märkten in Asien und den USA, der Wechsel des Ausrüsters von NIKE zu Adidas bringt dem Verein fast 1 Milliarde Euro über die nächsten 10 Jahre und bei Facebook wird bald die 70 Mio. „Like“ Marke geknackt. Nachdem die Saison 2013/14 ohne Qualifikation für das internationale Geschäft alles andere als nach den Vorstellungen der Verantwortlichen verlief, wurde der Kader in der letzten und aktuellen Spielzeit für 335 Millionen Euro verstärkt, um wieder auf die europäische Bühne zurückzukehren.

Digitalisierung schlägt Kommerzialisierung

18.02.2016 – Europa League Zwischenrunde. Die besagte Mannschaft verlässt mit gesenktem Kopf das Feld der MCH Arena in Herning, gelegen in der dänischen Region Midtjylland. Der FC Midtjylland, gegründet 1999, hatte die Gäste aus Manchester mit 2:1 geschlagen. Dieser FC Midtjylland, Gesamtmarktwert des 27-Mann Kaders 21,45 Mio. €, gewann im letzten Jahr zum ersten Mal die Dänische Meisterschaft und damit endet die Liste der Erfolge dann auch schon.

Was jetzt nach einer dieser wunderschönen Geschichten klingt, die nur der Fußball schreiben kann – David gegen Goliath, klein gegen groß, Provinzklub gegen Weltverein – ist jedoch viel mehr als das. Der FC Midtjylland ist der erste Verein der radikal mit den bestehenden Paradigmen des Profifußballs bricht und sein Spiel maßgeblich von einem Computer aus London steuern lässt. Mehrheitseigentümer Matthew Benham, reich geworden mit Wetten auf Fußballspiele, kaufte im Sommer 2014 den FC Midtjylland unter der Voraussetzung, dass der Klub sich voll auf seine neue, digitale Idee vom Fußball einlässt. Die Idee klingt erstmal logisch und wenig revolutionär: Die Mannschaft mit der besseren Chancenverteilung ist das bessere Team.

In der Praxis aber führt dies zu klaren Analysen und zwingt die Beteiligten für viele Aspekte ihre emotionale Einschätzung hintenanzustellen. So erfährt der Trainer des FC Midtjylland kurz nach Spielende per SMS, dass man vom Londoner Modell trotz eines 1:0 Sieges vom System abgewertet wurde. Das klingt erstmal grausam und kalt, das dem Trainer nach einem gewonnenen Spiel vorgerechnet wird was er falsch gemacht hat, obwohl er die 3 Punkte geholt hat. Dies führt im Umkehrschluss aber auch dazu, dass nach einer unglücklichen Niederlagenserie der Klubboss nicht in den in der Branche üblichen Aktionismus verfallen muss, um „neue Impulse“ zu setzen. Denn das System nimmt den Zufall im Fußball ernst und berücksichtigt diesen in seinen Berechnungen.

Der Coach des FC Midtjylland ist nun also ein digital unterstützter Übungsleiter, der auf in London berechnete KPI´s zu seinen Spielern zurückgreifen kann, Taktiken zu bestimmten Spielsituationen vorgeschlagen bekommt und vom System mögliche Spieler für Transfers empfohlen bekommt. Mit Hilfe der Digitalisierung erhält er hier also für ihn entscheidende Daten.

Für das Management des FC Midtjylland ist dieses digitale Scouting aufgrund der begrenzten finanziellen Spielräume ein Segen. Durch die Digitalisierung gelingt es dem Verein so, sich vom Wettbewerb beim Kampf um Talente zu lösen, indem man auf Spieler ausweicht die vom System als gleich stark/ oder sogar besser bewertet wurden – Eine Blue Ocean Strategie in der Transferpolitik.

Wie weit es dieser Ansatz in der emotionalen Welt des Fußballs bringen wird, wird die Zukunft zeigen. Aber die Parallelen zum digitalen Wandel in der Wirtschaft sind durchaus faszinierend. Wird die Digitalisierung auch im Fußball den kleinen Vereinen gegen die finanzstarken Großvereine helfen, oder werden diese sich vielleicht sogar frühzeitig auch dieser Systeme öffnen und ihre finanzielle Stärke ausspielen? Oder spielt das nötige Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, doch die entscheidende Rolle?

 


Quelle und weitere Informationen:
Transfermarkt.de
11Freunde.de
RP-Online